Draußen vom Walde da komm ich her, ich kann euch sagen es …
Draußen vom Walde da komm ich her,
Autor: Philip K.
ich kann euch sagen es weihnachtet sehr.
Die Fenster bunt, das Haus geschmückt,
was jedes Herz wärmstens entzückt.
Doch die Kälte hat's mir angetan,
Mich treibt hierher der Geschenkewahn.
An meiner Nase schon ein Zapfen gerinnt,
So lasset mich wärmen mein gutes Kind.
Und wenn ein paar Plätzchen für mich bedacht,
So hab ich euch etwas mitgebracht.
Was sagt der Spruch aus?
Der Spruch präsentiert sich als humorvolle Monolog-Einlage einer winterlichen Figur, vermutlich des Weihnachtsmanns oder eines ähnlichen winterlichen Boten. Er schildert eine Ankunftsszene: Die Figur kommt "vom Walde" und berichtet von der festlich geschmückten Umgebung. Dabei verbindet sie die schönen Aspekte der Weihnachtszeit – bunte Fenster, geschmückte Häuser, herzerwärmende Stimmung – mit einer sehr menschlichen Portion Selbstironie. Die Kälte setzt ihr zu, der "Geschenkewahn" treibt sie an und sie sucht schlichtweg Wärme und vielleicht ein paar Plätzchen. Als Gegenleistung hat sie jedoch etwas mitgebracht, was die traditionelle Geste des Beschenkens aufgreift.
Welche Botschaft steckt dahinter?
Hinter der verspielten Oberfläche steckt eine charmante Botschaft der Gegenseitigkeit und Menschlichkeit. Der Spruch entmystifiziert die oft überhöhte Weihnachtsfigur und zeigt sie mit alltäglichen Bedürfnissen: frierend, naschhaft und auf der Suche nach Gemütlichkeit. Die zentrale Aussage lautet: Auch derjenige, der bringt, hat Bedürfnisse. Schenken und Beschenktwerden, Geben und Nehmen, stehen in einem ausgewogenen, freundschaftlichen Verhältnis. Es geht um ein warmherziges Miteinander, bei dem kleine Aufmerksamkeiten (wie Plätzchen) große Freude bereiten und ihrerseits belohnt werden.
Welche Stimmung erzeugt der Spruch?
Der Text erzeugt eine unmittelbar heitere und gemütliche Stimmung. Durch den eingängigen, an klassische Verse angelehnten Rhythmus und die bildhafte Sprache ("Draußen vom Walde", "an der Nase ein Zapfen") fühlt man sich direkt in eine winterliche Szene versetzt. Der humorvolle Ton ("der Geschenkewahn", "lasset mich wärmen") lockert die traditionelle Weihnachtsidylle auf und sorgt für ein Schmunzeln. Insgesamt ist die Atmosphäre weniger feierlich-ernst, sondern vielmehr herzlich, einladend und ein bisschen schelmisch.
Emotionale Wirkung
Beim Leser löst der Spruch vor allem Freude und Heiterkeit aus. Die liebevoll-ironische Darstellung der Hauptfigur weckt Sympathie. Gleichzeitig evoziert die Beschreibung der weihnachtlichen Szene ("Die Fenster bunt, das Haus geschmückt") ein starkes Gefühl von Nostalgie und behaglicher Vorfreude. Es ist eine warme, unkomplizierte Freude, die durch den humorvollen Unterton noch verstärkt wird. Melancholie oder tiefe Rührung stehen hier nicht im Vordergrund, sondern ein leichtes, beschwingtes und herzliches Gefühl.
Moral und Werte
Der Spruch vermittelt allgemein-menschliche Werte, die zwar zur Weihnachtszeit passen, aber keinen explizit religiösen Hintergrund haben. Im Zentrum stehen Gastfreundschaft, Gegenseitigkeit und die Freude an kleinen Gesten. Die christliche Botschaft tritt völlig in den Hintergrund. Stattdessen betont der Text die zwischenmenschliche Wärme, die Fürsorge füreinander (hier sogar für den vermeintlichen Gabenbringer) und die Idee, dass Festlichkeit aus einem freundlichen Miteinander entsteht. Diese Werte der Herzlichkeit und des Austauschs passen perfekt zum modernen, inklusiven Verständnis des Weihnachtsfestes als Fest der Gemeinschaft.
Ist der Spruch zeitgemäß?
Absolut zeitgemäß. Der Spruch thematisiert auf humorvolle Weise den "Geschenkewahn", ein Phänomen, das in der heutigen konsumorientierten Weihnachtszeit aktueller denn je ist. Die Sehnsucht nach echter, unverfälschter Wärme und zwischenmenschlicher Zuwendung jenseits von materiellen Dingen ist ein starkes modernes Bedürfnis. Die Figur, die trotz ihrer offiziellen Rolle selbst menschliche Schwächen zeigt, ist sehr sympathisch für ein heutiges Publikum. Der Spruch wirft die immer relevante Frage auf: Was sind die wahren Geschenke der Festzeit – sind es die Pakete oder die Aufmerksamkeit und Gastlichkeit?
Realitätsbezug oder Eskapismus?
Der Spruch bewegt sich geschickt in einer Grauzone. Zwar schafft er eine idyllische, märchenhafte Szenerie (der Bote aus dem Wald), blendet aber die Probleme der Welt nicht vollständig aus. Indem die Figur friert und Erschöpfung andeutet, bringt sie eine leise Note der Anstrengung und des Unbehagens in die heile Welt. Es ist kein reiner Eskapismus, sondern eine leicht verklärte, aber dennoch anerkennende Darstellung der realen Mühen, die auch die schöne Weihnachtszeit mit sich bringen kann. Er flüchtet nicht vor der Realität, sondern verpackt sie in einen humorvollen und damit erträglichen Rahmen.
Für welchen Anlass eignet sich der Spruch?
Der Spruch ist vielseitig einsetzbar. Ideal ist er für persönliche Weihnachtskarten an Freunde und Familie, die einen humorvollen Ton schätzen. Er passt perfekt als kleine Danksagung, wenn man selbst beschenkt wurde und sich revanchieren möchte – denn genau diese Gegenseitigkeit beschreibt er. Auch als Einladungstext für eine gemütliche Weihnachtsfeier zu Hause ist er geeignet, da er Wärme und Gastlichkeit betont. Zudem kann er gut in sozialen Medien gepostet werden, um eine lockere, festliche Stimmung zu verbreiten.
Für wen eignet sich der Spruch weniger?
Weniger geeignet ist der Text für sehr formelle oder offizielle Anlässe, wie Geschäftskarten oder Weihnachtsschreiben eines Unternehmens. Auch für Menschen, die einen tiefreligiösen, besinnlichen oder besonders poetischen Weihnachtsgruß suchen, trifft er nicht den richtigen Ton. Sein schelmischer Charakter könnte in extrem ernsten oder traurigen Kontexten (etwa in einem Kondolenzumfeld zur Weihnachtszeit) fehl am Platz wirken. Wer ausschließlich die christliche Bedeutung des Festes in den Vordergrund stellen möchte, sollte zu einem anderen Spruch greifen.
Layout-Vorschläge für Weihnachtskarten
- Spielerisch-traditionell: Eine Illustration im Stil alter Holzstiche, die den frierenden Boten mit roter Nase vor einem verschneiten Haus zeigt. Der Text ist in einer verspielten Schreibschrift gesetzt.
- Modern-minimalistisch: Ein einfacher, schematischer Umriss einer Tasse mit dampfendem Kakao oder eines Plätzchens auf weißem Grund. Der Text steht in einer sauberen Serifenschrift daneben.
- Winterlich-detailreich: Eine fotorealistische Nahaufnahme von bereiften Tannenzweigen oder einem vereisten Fenster, durch das man schemenhaft Lichter sieht. Der Text ist dezent in einer Ecke platziert.
- Interaktiv: Auf der Vorderseite der Karte steht nur der erste Vers "Draußen vom Walde da komm ich her...". Die Innenseite mit dem restlichen Text und der Bitte um Plätzchen wird beim Öffnen überraschend enthüllt.
Abschließende Empfehlung
Wähle diesen Spruch genau dann, wenn du deinen Weihnachtsgriffen eine persönliche, herzliche und nicht allzu ernste Note verleihen möchtest. Er ist perfekt für Menschen, die den Humor lieben und die Weihnachtszeit in erster Linie als ein Fest der gemeinsamen Gemütlichkeit verstehen. Nutze ihn, um Dankbarkeit auszudrücken und gleichzeitig eine Einladung zur gegenseitigen Freude auszusprechen. Besonders gut macht er sich in der Vorweihnachtszeit, wenn die Vorfreude auf die Bescherung und die gemütlichen Abende groß ist, aber auch der stressige "Geschenkewahn" schon spürbar wird. Dieser Spruch ist das ideale Mittel, um genau diese Mischung aus Vorfreude, Hektik und Sehnsucht nach Wärme charmant auf den Punkt zu bringen.
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