Weihnachtsgedichte
Das Weihnachtsgedicht spielt bei vielen Menschen Jahr für Jahr in der Weihnachtszeit eine große Rolle. Zu dieser Zeit wird es auf etlichen Weihnachtskarten rund um die Welt geschickt. Es wird aber auch sehr häufig vorgetragen. Beispielweise im Rahmen der Familie unter dem Weihnachtsbaum oder in Schulen.
In der Literatur hatten Weihnachtsgedichte schon immer einen hohen Stellenwert. Dies sieht man daran, dass zahlreiche berühmte Dichter und Schirftsteller im Laufe ihres Lebens u.a. auch Weihnachtsgedichte verfasst haben - sei es nun Advent von Rainer Maria Rilke, Knecht Ruprecht von Theodor Storm, Der Stern von Wilhelm Busch oder Christbaum von Peter Cornelius.
In unserer Sammlung finden Sie aber noch zahlreiche weitere Werke von bekannten und unbekannten Lyrikern. Viel Freude damit!
Inhaltsverzeichnis
- Unsere Sammlung an Weihnachtsgedichten
- Warum Gedichte statt Prosa zur Weihnachtszeit?
- Das goldene Zeitalter der Weihnachtslyrik
- Die Tradition des Aufsagens - Warum wir Gedichte memorieren
- Ein eigenes Weihnachtsgedicht schreiben
- Reimschemata und ihre emotionale Wirkung
- Vergessene und wiederentdeckte Weihnachtsgedichte
- Moderne Weihnachtslyrik im 21. Jahrhundert

Unsere Sammlung an Weihnachtsgedichten
Die folgende Sammlung vereint klassische und weniger bekannte Weihnachtsgedichte. Wir haben bewusst nicht nur die berühmtesten Werke aufgenommen, sondern auch solche, die es verdienen, bekannter zu sein. Sie finden hier Gedichte verschiedener Epochen, verschiedener Stile, verschiedener Längen.
Einige Gedichte sind ausdrücklich für Kinder geschrieben, andere für Erwachsene. Manche sind religiös geprägt, andere säkular. Manche voll tiefer Emotion, andere leicht und humorvoll. Diese Vielfalt ist Absicht - Weihnachtslyrik ist kein monolithisches Genre, sondern ein weites Feld mit vielen Facetten.
Wenn Sie ein Gedicht für einen bestimmten Anlass suchen - zum Vortragen, für eine Karte, zum Selberlesen - nehmen Sie sich Zeit. Lesen Sie mehrere Gedichte, lesen Sie sie laut, spüren Sie, welches bei Ihnen resoniert. Das richtige Gedicht erkennen Sie daran, dass es etwas in Ihnen berührt, dass es das ausdrückt, was Sie fühlen oder fühlen möchten.
Und wenn Sie inspiriert sind, selbst etwas zu schreiben - tun Sie es. Jedes Jahr entstehen neue Weihnachtsgedichte, manche in Schulheften von Kindern, manche auf Geburtstagskartenrückseiten, manche in Notizbüchern von Menschen, die sich nie als Dichter bezeichnen würden. Diese privaten, nie publizierten Gedichte sind ebenso Teil der lebendigen Tradition der Weihnachtslyrik wie die kanonischen Werke. Sie halten das Genre am Leben, machen es zu etwas Gegenwärtigem, nicht nur Historischem. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten und viel Freude mit unseren Gedichten - und vielleicht bald mit Ihren eigenen.
Noch einmal ein Weihnachtsfest,
Autor: Theodor Fontane
immer kleiner wird der Rest,
aber nehm' ich so die Summe,
alles Grade, alles Krumme,
alles Falsche, alles Rechte,
alles Gute, alles Schlechte -
rechnet sich aus all dem Braus
doch ein richtig Leben raus.
Und dies können ist das Beste
wohl bei diesem Weihnachtsfeste
Markt und Straßen stehn verlassen,
Autor: Joseph von Eichendorff
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh’ ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.
An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.
Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus in’s freie Feld,
Hehres Glänzen, heil’ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!
Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schneees Einsamkeit
Steigt’s wie wunderbares Singen –
O du gnadenreiche Zeit!
Es treibt der Wind im Winterwalde
Autor: Rainer Maria Rilke
die Flockenherde wie ein Hirt
und manche Tanne ahnt wie balde
sie fromm und lichterheilig wird;
und lauscht hinaus. Den weißen Wegen
streckt sie die Zweige hin - bereit
und wehrt dem Wind und wächst entgegen
der einen Nacht der Herrlichkeit
Eine friedvolle Weihnachtszeit wünscht .....
Nun leuchten wieder die Weihnachtskerzen
Autor: Gustav Falke
und wecken Freude in allen Herzen.
Ihr lieben Eltern, in diesen Tagen,
was sollen wir singen, was sollen wir sagen?
Wir wollen euch wünschen zum heiligen Feste
vom Schönen das Schönste, vom Guten das Beste!
Wir wollen Euch danken für alle Gaben
und wollen euch immer noch lieber haben.
Herzliche Weihnachtsgrüße von .....
Bald ist sie da die Weihnachtszeit,
Autor: J. Gerding
ich frage dich, bist du bereit?
Lass los den Stress und auch die Sorgen
und freue´ dich wie ein Kind auf Morgen.
Das was die Menschen heute brauchen,
gibt´s nirgendwo zu kaufen.
Gesundheit, Liebe, Hoffnung, Zuversicht,
das gibt´s in den Geschäften nicht.
Ganz einfach mal an andere denken -
oder auch mal ein Lächeln schenken.
Ein liebevolles Herz, ein offenes Ohr,
bringt in dem Anderen ein Strahlen hervor.
Erfreu´ dich auch an kleinen Dingen,
es wird dir sicherlich gelingen.
Denn alles was dich glücklich macht,
bringt der Zauber der Heiligen Nacht!
Frohe Weihnachten Euch allen
Welchen Zauber hat dieses Fest,
Autor: H.F.
das uns Schmerz vergessen lässt.
Wo wir froh und milde sind
und im Herzen wie ein Kind?
Wo wir an das Gute glauben
und uns selbst der Angst berauben.
Oh, du weihnachtlicher Segen!
Kannst uns Menschen sehr bewegen.
Strahlend, wie ein schöner Traum,
Autor: unbekant
steht vor uns der Weihnachtsbaum.
Seht nur, wie sich goldenes Licht
auf der zarten Kugeln bricht.
“Frohe Weihnacht” klingt es leise
und ein Stern geht auf die Reise.
Leuchtet hell vom Himmelszelt
hinunter auf die ganze Welt.
Sorgen, Stress und Lärm;
Autor: André Hartl
am liebsten wär' mir,
dass ich von all dem fern.
Das es ist wie früher,
so wie Oma mir erzählt,
und das es in der Weihnachtszeit
um Besinnlichkeit nur geht!
Advent - das ist die Zeit,
Autor: Christine Bönninger-Müller
in der wir viel an andere denken,
denn wir möchten ihnen was Besonderes schenken.
So wollen wir unsere Liebe zeigen
und dann beginnt der bunte Reigen:
Kekse backen, Adventskranz schmücken,
Den Tannenbaum besorgen und bestücken.
Die Lichterkette prüfen, leuchtet sie noch hell?
Falls nicht, wer holt eine Neue – noch ganz schnell?
Haben wir an alles auch gedacht,
denn es wird Weihnacht über Nacht.
Basteln mit den Kinderlein,
auch das darf nicht vergessen sein.
Nach vier atemlosen Wochen:
am Heiligen Abend etwas Besonderes kochen.
Nun ist es soweit, wir kommen zur Ruhe
und vielleicht auch zur Besinnung:
Genießen wir die Weihnachtsstimmung,
die Tage, die vor uns liegen:
gemeinsame Zeit – egal, welche Geschenke wir kriegen.
Und im nächsten Jahr, da schenken wir uns nichts –
das ist versprochen !!!
Ach Kinder, keine Sorge, denn dieses Versprechen,
es wird gebrochen.
Frohe Weihnachten !!!
Was, wenn Weihnachten wär,
Autor: Klaus Dexheimer
was, wenn Weihnachten ist?
Tannenduft und Kerzenschein,
sich beschenken und zusammen sein!
Jedem nur das Beste wünschen,
dass Friede werde auf Erden
und die Menschen alle zu einer
großen Gemeinschaft werden.
Was, wenn kein Weihnachten wär,
wenn kein Weihnachten ist?
Immer an das Gute denken,
die eigenen Schritte in Richtung ‚Helfen’ lenken.
Einen Anspruch haben, alle Tage lang:
Bedürft’gen Menschen helfen,
jenen, denen Angst und Bang.
Nicht auf den Kalender sehen
um danach gute Taten zu begehen.
Nicht nur für sich selbst nach dem Besten streben.
Da sind keine Engel die schützend
über den Armen und Leidenden schweben.
Es gibt viel Gutes – nicht Weihnachten tut es.
Tu’ Du es – Alle Tage lang.
Etwas Schöneres als Weihnachten gibt es wohl kaum,
Autor: Unbekannt
alle sitzen zusammen am Weihnachtsbaum,
schöne Lieder und manch warmes Wort
machen denn Weihnachtsbaum zum schönsten Ort.
Drumm wünsche ich euch ein wunderschönes Fest
aber was noch wichtig ist,
dass ihr das Beschenken nicht vergesst!
An Weihnachten ist Freude da,
Autor: Krümel
Freudentränen, kerzenklar.
Wenn Liebe, Glück und Freunde,
Dich weiter bring'n als Geld
Erscheint, das ist nun weihnachtsklar,
das heil'ge Licht der Welt.
Drum will ich dir jetzt sagen,
bleib immer nur du selbst.
Weil du mir mit Glück und Liebe,
So total gefällst
Frohe Weihnacht!
Weihnachtszeit, stille Zeit, vorüber fast das Jahr.
Autor: Steffi Adler
Suche nach Geborgenheit- Erinnerungen nah.
Die Sterne sehn in kalter Nacht,
im Herzen ist es warm.
Weihnachtszeit, Hoffnung erwacht,
dass Träume werden wahr.
Die Weihnachtsglocken schellen,
Autor: Thomas Müller
das Renntier ist in Eile.
So viele Lichter jetzt erhellen,
mit großer Freude man daran verweile.
Der Duft von Zimt und auch der Tanne,
sich im Raum ganz sanft ausbreitet.
Der Punsch steht bereit in der Abendkanne,
nun endlich wird auch die Bescherung eingeleitet.
So herrlich ist die Weihnachtszeit,
auch wenn so manche Erinnerungen erwachen.
Die Freude der Zuneigung als Kostbarkeit,
das Weihnachten schönstes Geschenk ist ein Lachen.
Kurz nur ist die Weihnachtszeit,
Autor: Unbekannt
der Jahreswechsel nicht mehr weit.
Das neue Jahr soll gut gelingen,
Gesundheit, Glück und Freude bringen.
Heute ist Weihnachten und die heilige Nacht,
Autor: Silvi
die manches Wunder schon gebracht.
Mach auf Dein Herz und lass Dich drauf ein,
dann spürst Du den Zauber, fang ihn ein.
Draußen vom Walde da komm ich her,
Autor: Philip K.
ich kann euch sagen es weihnachtet sehr.
Die Fenster bunt, das Haus geschmückt,
was jedes Herz wärmstens entzückt.
Doch die Kälte hat's mir angetan,
Mich treibt hierher der Geschenkewahn.
An meiner Nase schon ein Zapfen gerinnt,
So lasset mich wärmen mein gutes Kind.
Und wenn ein paar Plätzchen für mich bedacht,
So hab ich euch etwas mitgebracht.
Ich wünsche Dir zur Weihnachtszeit,
Autor: Philip K.
Viel Freude und Besinnlichkeit.
Familie und ein trauter Ort.
Sehnsucht und manch' liebes Wort,
Lieder, die voll Liebe klingen
und in allen Herzen schwingen.
Der Weihnachtsgeist liegt in der Luft,
mit seinem zarten, süßen Duft.
Denn Weihnachten ist Plätzchenzeit,
Liebe, Glück und Fröhlichkeit!
Advent, Advent,
Autor: unbekannt
ein Lichtlein brennt.
Erst ein, dann zwei,
dann drei, dann vier,
dann steht das Christkind vor der Tür.
Ergänzend:
Und wenn die fünfte Kerze brennt,
dann hast du Weihnachten verpennt!
O schöne, herrliche Weihnachtszeit,
Autor: Heinrich Hoffmann von Fallersleben
was bringst du Lust und Fröhlichkeit!
Wenn der heilige Christ in jedem Haus
teilt seine lieben Gaben aus.
Und ist das Häuschen noch so klein,
so kommt der heilige Christ hinein,
und alle sind ihm lieb wie die Seinen,
die Armen und Reichen, die Großen
und Kleinen.
Der heilige Christ an alle denkt,
ein jedes wird von ihm beschenkt.
Drum lasst uns freu'n und dankbar sein!
Er denkt auch unser, mein und dein.
Von drauß vom Walde komm ich her.
Autor: Theodor Storm
ich muß Euch sagen es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein blitzen.
und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor.
und wie ich so strolcht durch den finsteren Tann,
da rief's mich mit heller Stimme an:
Knecht Rupprecht, rief es alter Gesell,
hebe die Beine und spute dich schnell
Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan.
Alt und Junge sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn.
und morgen flieg ich hinab zur Erden,
denn es soll wieder weihnachten werden!
Ich sprach: O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist.
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo's eitel gute Kinder hat.
Hast denn das Säcklein auch bei dir?
Ich sprach: Das Säcklein, das ist hier,
Denn Äpfel, Nuß und Mandelkern
essen fromme Kinder gern.
Hast denn die Rute auch bei dir?
Ich sprach: die Rute die ist hier.
Doch für die Kinder, nur die schlechten,
die trifft sie auf den Teil, den rechten.
Christkindlein sprach: So ist es recht.
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!
Von drauß, vom Walde komm ich her,
Ich muß euch sagen es weihnachtet sehr!
Nun sprecht wie ich's herinnen find:
sind's gute Kind, sind's böse Kind?
Denkt euch, ich habe das Christkind gesehen!
Autor: Anna Ritter
Es kam aus dem Walde, das Mützchen voll Schnee,
Mit rotgefrorenem Näschen.
Die kleinen Hände taten ihm weh,
Denn es trug einen Sack, der war gar schwer,
Schleppte und polterte hinter ihm her.
Was drin war, möchtet ihr wissen?
Ihre Naseweise, ihr Schelmenpack -
Denkt ihr, er wäre offen der Sack?
Zugebunden bis oben hin!
Doch war gewiss etwas Schönes drin!
Es roch so nach Äpfeln und Nüssen!
Bäume leuchtend, Bäume blendend,
Autor: Johann Wolfgang von Goethe
Überall das Süße spendend,
In dem Glanze sich bewegend,
Alt und junges Herz erregend –
Solch ein Fest ist uns bescheret,
Mancher Gaben Schmuck verehret;
Staunend schaun wir auf und nieder,
Hin und her und immer wieder.
Prangst du, schöner Weihnachtsbaum,
Autor: Ernst Moritz Arndt
Meiner Kindheit goldner Traum?
Strahlst du, süsses Himmelslicht,
Das die Heidenwelt durchbricht?
Bist du, Sehnsucht aller Frommen,
Heut zur Welt herabgekommen?
Ja, es kam ein Kindlein klein,
Dass wir sollten selig sein:
Denn aus diesem Kindlein klein
Glänzte heller Gottesschein,
Engel klangen Jubellieder
Auf die dunkle Erde nieder.
Herrlich ging der Morgenstern
Alles Lichtes auf vom Herrn.
Über alle Welten weit
Jauchzt und klingt und singt es heut
Hell aus Millionen Seelen,
Was die Engel sich erzählen.
Schau' mein Herz, schau fromm und still
Was der Baum dir sagen will:
Dass der süsse Jesus Christ
Heut zu uns gekommen ist,
Dass, dem alle Engel dienen,
Als dein Bruder ist erschienen.
Bete, schaue fromm und still,
Was der Baum dir sagen will:
Hell wie dieses Tages Schein,
Hoch und hell und klar und rein
Soll der Christen fröhlich Leben
Von der Erd' zum Himmel schweben.
Hätt einer auch fast mehr Verstand,
Autor: Wilhelm Busch
Als wie die drei Weisen aus Morgenland,
Und ließe sich dünken, er wär wohl nie
Dem Sternlein nachgereist wie sie;
Dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest
Seine Lichtlein wonniglich scheinen läßt,
Fällt auch auf sein verständig Gesicht,
Er mag es merken oder nicht,
Ein freundlicher Strahl
Des Wundersternes von dazumal.
Gesegnet sei die heilige Nacht,
Autor: Eduard Mörike
die uns das Licht der Welt gebracht!
Wohl unterm lieben Himmelszelt
die Hirten lagen auf dem Feld.
Ein Engel Gottes, licht und klar,
mit seinem Gruß tritt auf sie dar.
Vor Angst sie decken ihr Angesicht,
da spricht der Engel: „Fürcht’t euch nicht!“
„Ich verkünd euch große Freud:
Der Heiland ist geboren heut.“
Da gehn die Hirten hin in Eil,
zu schaun mit Augen das ewig Heil;
zu singen dem süßen Gast Willkomm,
zu bringen ihm ein Lämmlein fromm.
Bald kommen auch gezogen fern
die heilgen drei König‘ mit ihrem Stern.
Sie knieen vor dem Kindlein hold,
schenken ihm Myrrhen, Weihrauch, Gold.
Vom Himmel hoch der Engel Heer
frohlocket: „Gott in der Höh sei Ehr!“
Wie schön geschmückt der festliche Raum!
Autor: Peter Cornelius
Die Lichter funkeln am Weihnachtsbaum!
O fröhliche Zeit! O seliger Traum!
Die Mutter sitzt in der Kinder Kreis;
nun schweiget alles auf ihr Geheiß:
sie singet des Christkinds Lob und Preis.
Und rings, vom Weihnachtsbaum erhellt,
ist schön in Bildern aufgestellt
des heiligen Buches Palmenwelt.
Die Kinder schauen der Bilder Pracht,
und haben wohl des Singens acht,
das tönt so süß in der Weihenacht!
O glücklicher Kreis im festlichen Raum!
O goldne Lichter am Weihnachtsbaum!
O fröhliche Zeit! O seliger Traum!
Ich sehn' mich so nach einem Land
Autor: Hermann Hesse
der Ruhe und Geborgenheit
Ich glaub', ich hab's einmal gekannt,
als ich den Sternenhimmel weit
und klar vor meinen Augen sah,
unendlich großes Weltenall.
Und etwas dann mit mir geschah:
Ich ahnte, spürte auf einmal,
daß alles: Sterne, Berg und Tal,
ob ferne Länder, fremdes Volk,
sei es der Mond, sei's Sonnnenstrahl,
daß Regen, Schnee und jede Wolk,
daß all das in mir drin ich find,
verkleinert, einmalig und schön
Ich muß gar nicht zu jedem hin,
ich spür das Schwingen, spür die Tön'
ein's jeden Dinges, nah und fern,
wenn ich mich öffne und werd' still
in Ehrfurcht vor dem großen Herrn,
der all dies schuf und halten will.
Ich glaube, daß war der Moment,
den sicher jeder von euch kennt,
in dem der Mensch zur Lieb' bereit:
Ich glaub, da ist Weihnachten nicht weit!
Christkind kam in den Winterwald,
Autor: Ernst von Wildenbruch
der Schnee war weiß, der Schnee war kalt.
Doch als das heil’ge Kind erschien,
fing’s an, im Winterwald zu blühn.
Christkindlein trat zum Apfelbaum,
erweckt ihn aus dem Wintertraum.
„Schenk Äpfel süß, schenk Äpfel zart,
schenk Äpfel mir von aller Art!“
Der Apfelbaum, er rüttelt sich,
der Apfelbaum, er schüttelt sich.
Da regnet’s Äpfel ringsumher;
Christkindlein’s Taschen wurden schwer.
Die süßen Früchte alle nahm’s,
und so zu den Menschen kam’s.
Nun, holde Mäulchen, kommt, verzehrt,
was euch Christkindlein hat beschert!
O heiliger Abend,
Autor: Karl Gerok
mit Sternen besät,
wie lieblich und labend
dein Hauch mich umweht!
Vom Kindergetümmel,
vom Lichtergewimmel
aufschau ich zum Himmel
in leisem Gebet.
Da funkelt von Sternen
ein himmlischer Baum,
da jauchzt es im fernen,
ätherischen Raum;
da lassen die Sphären
in seligen Chören
glückwünschend sich hören;
mir klingt’s wie im Traum.
Es führet mit Feuer
Orion den Chor,
die himmlische Leier
töt golden hervor;
dann folgen mit Schalle
die Sternelein alle;
dem lieblichsten Halle
lauscht selig mein Ohr:
„O Erde, du kleine,
du dämmernder Stern,
doch gleichet dir keine
der Welten von fern!
So schmählich verloren,
so selig erkoren,
auf dir ist geboren
die Klarheit des Herrn!”
„Wir wandeln da oben
im ewigen Licht,
den Schöpfer zu loben
ist selige Pflicht;
wir wallen und wohnen
seit vielen Äonen
und himmlischen Thronen
und sündigen nicht.”
„Wir funkeln im alten
urewigen Glanz,
du hast nicht behalten
den himmlischen Kranz;
doch neu dich zu heben
vom Tode zu Leben,
hat dir sich ergeben
der Ewige ganz!”
„Wir kennen nicht Tränen,
nicht Tod und nicht Grab,
doch ziehet ein Sehnen
zu dir uns hinab,
wo liebend gelitten,
wo segnend geschritten
durch niedrige Hütten
dein göttlicher Knab’.”
„Du unter den Welten
wie Bethlehem klein,
in himmlischen Zelten
gedenket man dein.”
So klangen die Lieder
der Sterne hernieder,
da freut ich mich wieder,
von Erde zu sein.
Mir ist das Herz so froh erschrocken,
Autor: Theodor Storm
das ist die liebe Weihnachtszeit!
Ich höre fern her Kirchenglocken
mich lieblich heimatlich verlocken
in märchenstille Herrlichkeit.
Ein frommer Zauber hält mich wieder,
anbetend, staunend muß ich stehn;
es sinkt auf meine Augenlider
ein goldner Kindertraum hernieder,
ich fühl's, ein Wunder ist geschehn.
Die Nacht vor dem heiligen Abend,
Autor: Robert Reinick
da liegen die Kinder im Traum;
sie träumen von schönen Sachen
und von dem Weihnachtsbaum.
Und während sie schlafen und träumen,
wird es am Himmel klar,
und durch den Himmel fliegen
drei Engel wunderbar.
Sie tragen ein holdes Kindlein,
das ist der Heil’ge Christ;
es ist so fromm und freundlich,
wie keins auf Erden ist.
Und wie es durch den Himmel
still über die Häuser fliegt,
schaut es in jedes Bettchen,
wo nur ein Kindlein liegt,
und freut sich über alle,
die fromm und freundlich sind;
denn solche liebt von Herzen
das liebe Himmelskind.
Wird sie auch reich bedenken
mit Lust aufs allerbest’
und wird sie schön beschenken
zum lieben Weihnachtsfest.
Heut schlafen noch die Kinder
und sehn es nur im Traum,
doch morgen tanzen und springen
sie um den Weihnachtsbaum.
Durch den Flockenfall
Autor: Gustav Falke
klingt süßer Glockenschall,
ist in der Winternacht
ein süßer Mund erwacht.
Herz, was zitterst du
den süßen Glocken zu?
Was rührt den tiefen Grund
dir auf der süße Mund?
Was verloren war,
du meintest, immerdar,
das kehrt nun all zurück,
ein selig Kinderglück.
O du Nacht des Herrn
mit deinem Liebesstern,
aus deinem reinen Schoß
ringt sich ein Wunder los.
Wieder mit Flügeln, aus Sternen gewoben,
Autor: Ferdinand von Saar
Senkst du herab dich, o heilige Nacht;
Was durch Jahrhunderte alles zerstoben –
Du noch bewahrst deine leuchtende Pracht.
Ging auch der Welt schon der Heiland verloren,
Der sich dem Dunkel der Zeiten entrang,
Wird er doch immer aufs neue geboren,
Nahst du, Geweihte, dem irdischen Drang.
Selig durchschauernd kindliche Herzen,
Bist du des Glaubens süßester Rest;
Fröhlich begangen bei flammenden Kerzen,
Bist du das schönste, das menschlichste Fest.
Leerend das Füllhorn beglückender Liebe,
Schwebst von Geschlecht zu Geschlecht du vertraut –
Wo ist die Brust, die verschlossen dir bliebe,
Nicht dich begrüßte mit innigstem Laut?
Und so klingt heut noch das Wort von der Lippe,
Das einst in Bethlehem preisend erklang,
Strahlet noch immer die lieblichste Krippe –
Tönt aus der Ferne der Hirten Gesang .....
Was auch im Sturme der Zeiten zerstoben –
Senke herab dich in ewiger Pracht,
Leuchtende du, aus Sternen gewoben,
Frohe, harzduftende, heilige Nacht!
Ein zarter weißer Winterschleier
Autor: Otmar Heusch
legt sich bald über Wald und Flur
So wie der Igel und der Weiher
legt sich auch schlafen die Natur
Die Kälte dirigiert die Wellen
bis dass der See in Ruhe liegt
und Demut grüßt an vielen Stellen
bis manche Seel' in Achtung wiegt
Die Stimmung überfüllt den Raume
und Stille spannt die Arme breit
So mancher badet in dem Traume
das Frieden herrscht und Einigkeit
Nun öffnen Herzen weit die Pforten
und lassen auch das Mitleid rein
damit an allen Weihnachtsorten
das Christkind kann zufrieden sein
Warum Gedichte statt Prosa zur Weihnachtszeit?
Von allen literarischen Formen hat die Lyrik eine besondere Affinität zur Weihnachtszeit. Prosa-Weihnachtsgeschichten gibt es zwar auch - Dickens' Christmas Carol ist ein berühmtes Beispiel - aber die schiere Masse an Weihnachtsgedichten übertrifft sie bei weitem. Warum ist das so?
Lyrik ist konzentriert. Ein Gedicht destilliert Gefühle und Gedanken auf wenige Zeilen, manchmal auf wenige Worte. Diese Verdichtung passt zur Weihnachtszeit, die selbst eine Verdichtung ist - ein Fest, das das ganze Jahr symbolisch zusammenfasst, Anfang und Ende, Geburt und Hoffnung, Vergänglichkeit und Erneuerung in wenigen Tagen komprimiert. Die Form des Gedichts spiegelt die temporale Struktur des Festes.
Darüber hinaus hat Lyrik eine musikalische Qualität. Rhythmus, Reim, Klang - diese Elemente machen Gedichte zu einer Art Gesang ohne Melodie. Und Weihnachten ist eine singende Zeit. Lieder sind zentral für das Fest, und Gedichte sind die sprachlichen Verwandten von Liedern. Wenn Sie ein Weihnachtsgedicht laut lesen, hören Sie oft, wie es fast von selbst zum Lied werden möchte. Manche Weihnachtsgedichte sind tatsächlich später vertont worden und existieren heute parallel als Gedicht und als Lied.
Ein weiterer Aspekt ist die Memorierbarkeit. Gedichte prägen sich leichter ein als Prosa, weil Reim und Rhythmus mnemonische Strukturen bieten. In einer Zeit, als Bücher teuer und Bildung nicht universal war, waren memorierbare Texte wertvoll. Weihnachtsgedichte konnten mündlich weitergegeben werden, von Generation zu Generation, ohne dass ein schriftliches Medium notwendig war. Diese orale Tradition hat die Gedichtform gefördert und erhalten.
Das goldene Zeitalter der Weihnachtslyrik
Die meisten Weihnachtsgedichte, die heute noch rezitiert werden, stammen aus einer relativ kurzen Epoche: dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Diese Periode war das goldene Zeitalter der deutschsprachigen Weihnachtslyrik.
Warum gerade diese Zeit? Mehrere Faktoren kamen zusammen. Erstens hatte sich das bürgerliche Weihnachtsfest gerade etabliert. Der geschmückte Tannenbaum, die Bescherung am Heiligabend, das Familienfest - all das waren relativ neue Phänomene, die nach literarischer Artikulation verlangten. Dichter griffen diese neuen Bräuche auf und gaben ihnen poetische Form. Theodor Storms "Knecht Ruprecht" etwa thematisiert den Nikolausbrauch, Wilhelm Buschs Gedichte spielen mit dem Bild des Christkinds - beides Motive, die in dieser Form erst im 19. Jahrhundert populär wurden.
Zweitens war dies eine Zeit intensiver lyrischer Produktion generell. Die Romantik und ihre Nachwirkungen hatten das Gedicht als Kunstform aufgewertet. Es gab einen Markt für Lyrik, Zeitschriften druckten Gedichte, gebildete Bürger lasen und schätzten sie. In diesem kulturellen Klima entstanden auch viele Weihnachtsgedichte, oft als Teil umfangreicherer lyrischer Werke.
Drittens - und das wird oft übersehen - war dies eine Zeit tiefer gesellschaftlicher Umbrüche. Industrialisierung, Urbanisierung, zunehmende soziale Disparität. Weihnachten bot einen Gegenentwurf: ein Fest der Familie, der Tradition, der Innerlichkeit. Weihnachtsgedichte artikulierten diese Sehnsucht nach Geborgenheit in einer sich rasch wandelnden Welt. Sie waren nicht nur Beschreibungen des Festes, sondern Fluchträume.
Nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich die lyrische Landschaft. Traditionelle Formen galten zunehmend als antiquiert, Experimente und Brüche wurden bevorzugt. Weihnachtsgedichte im klassischen Stil wurden seltener verfasst. Die Gedichte des 19. Jahrhunderts blieben jedoch lebendig - sie wurden weiterhin rezitiert, gedruckt, gelernt. So entstand die eigentümliche Situation, dass die Weihnachtslyrik gewissermaßen eingefroren ist in einer historischen Epoche, während andere Bereiche der Lyrik sich radikal weiterentwickelt haben.
Die Tradition des Aufsagens - Warum wir Gedichte memorieren
Das Auswendiglernen und Vortragen von Gedichten ist eine Praxis, die in anderen Kontexten fast verschwunden ist, sich aber zu Weihnachten hartnäckig hält. Warum?
Zunächst ist das Aufsagen eines Gedichts eine Performanz. Es ist nicht dasselbe wie das stille Lesen. Der Vortragende gibt dem Text seine Stimme, seinen Rhythmus, seine Interpretation. Selbst ein altbekanntes Gedicht klingt anders, wenn es von einem vierjährigen Kind vorgetragen wird als von einem Erwachsenen. Diese Variabilität in der Aufführung macht jedes Aufsagen zu einem einzigartigen Ereignis.
Darüber hinaus ist das Aufsagen ein Ritual des Zeigens und Anerkennens. Das Kind, das vor der versammelten Familie ein Gedicht aufsagt, zeigt seine Fähigkeit zu lernen, zu memorieren, vor Menschen zu sprechen. Die Familie applaudiert nicht primär dem Gedicht, sondern der Leistung des Kindes. Dieses Ritual bekräftigt die Position des Kindes in der Familie und gibt ihm einen Moment der Aufmerksamkeit, der gerade für jüngere Kinder wertvoll ist.
Für Erwachsene hat das Memorieren und Vortragen andere Funktionen. Es ist ein Akt der kulturellen Teilhabe. Wer ein Weihnachtsgedicht auswendig kann, demonstriert Bildung und Zugehörigkeit zu einer kulturellen Tradition. Es verbindet die Person mit allen anderen, die dasselbe Gedicht kennen - eine Form imaginierter Gemeinschaft durch geteiltes kulturelles Wissen.
Interessanterweise beobachten wir in den letzten Jahren eine Wiederbelebung dieser Praxis, allerdings in neuen Formen. Poetry Slams zu Weihnachten, bei denen moderne Weihnachtslyrik performt wird, verbinden die alte Tradition des Vortrags mit zeitgenössischer Ästhetik. Hier wird nicht vor der Familie aufgesagt, sondern vor Publikum, und es geht um künstlerischen Ausdruck, nicht um kindliche Demonstration von Gelerntem. Doch die Grundstruktur - das gesprochene Gedicht als Ereignis - bleibt erhalten.
Ein eigenes Weihnachtsgedicht schreiben
Viele Menschen haben den Wunsch, ein eigenes Weihnachtsgedicht zu verfassen - für eine Karte, als Geschenk, oder einfach als kreativen Ausdruck. Doch vor dem weißen Blatt kapitulieren die meisten. Lyrik scheint eine exklusive Kunstform zu sein, reserviert für Begabte. Das ist ein Irrtum.
Beginnen Sie mit Beobachtungen: Was sehen, hören, riechen Sie zur Weihnachtszeit? Notieren Sie konkrete Sinneseindrücke. "Der Duft von Zimt und Nelken", "Das Knistern des Kaminfeuers", "Schnee, der lautlos fällt". Diese konkreten Details sind besser als abstrakte Begriffe wie "Liebe" oder "Freude". Aus diesen Beobachtungen können Sie Zeilen bauen.
Wählen Sie eine Form: Muss Ihr Gedicht sich reimen? Nicht zwingend, aber Reime erleichtern oft den Einstieg, weil sie Struktur vorgeben. Entscheiden Sie sich für ein einfaches Schema - etwa Paarreime (AABB) oder Kreuzreime (ABAB). Schreiben Sie die erste Zeile, dann suchen Sie nach einem passenden Reim für die zweite oder vierte Zeile. Lassen Sie sich nicht vom perfekten Reim tyrannisieren - ein Halbreim ist besser als ein erzwungener, unnatürlicher Vollreim.
Finden Sie einen Rhythmus: Lesen Sie Ihre Zeilen laut. Klingen sie holprig oder fließen sie? Ein regelmäßiger Rhythmus - etwa ein vierhebiger Jambus - macht das Gedicht eingängiger. Aber auch hier gilt: Perfektion ist nicht nötig. Ein leicht unregelmäßiger Rhythmus kann charmanter sein als mechanische Gleichförmigkeit.
Seien Sie spezifisch: Statt "Weihnachten ist schön" schreiben Sie "Kerzen spiegeln sich im Fensterglas". Statt "Ich liebe meine Familie" schreiben Sie "Am Tisch sitzen wir, drei Generationen, und brechen das Brot." Konkrete Bilder bleiben haften, Abstraktionen verdunsten.
Akzeptieren Sie Imperfektion: Ihr erstes Weihnachtsgedicht wird nicht Rilke-Qualität haben. Das muss es auch nicht. Ein selbstverfasstes Gedicht auf einer Weihnachtskarte ist wertvoll nicht wegen seiner literarischen Brillanz, sondern wegen der Mühe und Persönlichkeit, die es repräsentiert. Der Empfänger wird die Geste schätzen.
Reimschemata und ihre emotionale Wirkung
Reime sind nicht bloß dekorative Elemente. Sie erzeugen spezifische emotionale und kognitive Effekte, die die Wahrnehmung des Gedichts prägen.
Paarreime (AABB) erzeugen ein Gefühl von Abgeschlossenheit und Vollständigkeit. Jedes Reimpaar bildet eine kleine Einheit, die in sich ruht. Diese Form eignet sich für narrative Gedichte oder für humorvolle Verse. Viele Kinderreime verwenden Paarreime, weil sie leicht verständlich sind und ein befriedigendes Echo-Gefühl erzeugen: etwas wird gesagt, dann wiederholt sich ein Klang, dann geht es weiter.
Kreuzreime (ABAB) schaffen Spannung und Auflösung über eine längere Strecke. Die erste und dritte Zeile reimen sich, ebenso die zweite und vierte. Das bedeutet, dass zwischen einem Reim und seiner Entsprechung eine Zeile liegt - eine kleine Verzögerung, die Erwartung aufbaut. Kreuzreime wirken oft eleganter, kunstvoller als Paarreime. Viele klassische Weihnachtsgedichte verwenden diese Form.
Umarmende Reime (ABBA) erzeugen eine zirkuläre Struktur. Die äußeren Zeilen umschließen die inneren. Diese Form suggeriert Geborgenheit, Eingehüllt-Sein - passend für Weihnachtsgedichte, die Wärme und Schutz thematisieren. Allerdings ist diese Form anspruchsvoller zu handhaben und findet sich seltener in populären Weihnachtsgedichten.
Freie Verse ohne Reim sind in moderner Lyrik üblich, in traditionellen Weihnachtsgedichten aber selten. Ihre Abwesenheit von Reim erlaubt größere Flexibilität im Ausdruck, kann aber auch weniger festlich wirken. Reimlose Weihnachtsgedichte funktionieren oft dann gut, wenn sie andere poetische Mittel wie Alliteration, Assonanz oder starke Bilder einsetzen.
- Paarreime: Kindgerecht, abgeschlossen, oft humorvoll
- Kreuzreime: Elegant, kunstvoll, schafft Spannung
- Umarmende Reime: Geborgen, zirkulär, komplex
- Freie Verse: Flexibel, modern, weniger traditionell
Vergessene und wiederentdeckte Weihnachtsgedichte
Der Kanon der bekannten Weihnachtsgedichte ist relativ klein. Jeder kennt "Advent, Advent, ein Lichtlein brennt" oder Storms "Knecht Ruprecht". Doch es gibt hunderte, wenn nicht tausende Weihnachtsgedichte, die einst populär waren und heute vergessen sind. Einige verdienen eine Wiederentdeckung.
Warum werden manche Gedichte vergessen? Manchmal liegt es an verändertem Geschmack. Was eine Generation als poetisch empfand, erscheint der nächsten kitschig oder pathetisch. Manchmal liegt es an veränderten Lebensumständen. Gedichte, die eine bestimmte historische Realität voraussetzen - etwa Pferdeschlitten oder Kerzen als einzige Lichtquelle - wirken zunehmend fremd. Manchmal ist es schlicht Zufall. Ein Gedicht wird nicht in die wichtigen Anthologien aufgenommen, nicht in Schulbücher übernommen, und verschwindet allmählich aus dem kollektiven Gedächtnis.
Die Wiederentdeckung solcher Gedichte kann reizvoll sein. Sie bieten frische Perspektiven auf das Fest, abseits der ausgetretenen Pfade. Manches vergessene Gedicht ist tatsächlich literarisch schwächer als die Klassiker - es wurde zu Recht vergessen. Aber manche sind kleine Perlen, die nur darauf warten, wieder ans Licht geholt zu werden.
Digitalisierung hat die Wiederentdeckung erleichtert. Alte Zeitschriften, längst vergriffene Gedichtbände, private Sammlungen werden online zugänglich gemacht. Wer sucht, findet Weihnachtsgedichte von Autoren, die heute kaum noch jemand kennt, aber zu ihrer Zeit geschätzt wurden. Diese Schätze zu heben ist eine Art literarische Archäologie, die Freude machen kann und das eigene Repertoire erweitert.
Moderne Weihnachtslyrik im 21. Jahrhundert
Wird heute noch Weihnachtslyrik geschrieben? Die Antwort ist ja, aber sie sieht anders aus als die Gedichte des 19. Jahrhunderts.
Moderne Weihnachtsgedichte sind oft ironischer, selbstreflexiver. Sie thematisieren nicht nur das Fest, sondern auch unsere ambivalente Beziehung zu ihm. "Weihnachten im Einkaufszentrum", "Heiligabend in der Flüchtlingsunterkunft", "Weihnachten nach der Scheidung" - solche Titel deuten an, dass zeitgenössische Lyrik die Brüche und Widersprüche des Festes nicht ausklammert. Diese Gedichte sind oft weniger tröstlich, aber ehrlicher in ihrer Darstellung wie Weihnachten tatsächlich erlebt wird.
Formal experimentieren moderne Weihnachtsgedichte mehr. Freie Verse dominieren, Reime sind optional. Manche spielen mit visueller Poesie, mit Typografie, mit der Anordnung der Worte auf der Seite. Diese formalen Experimente machen sie manchmal schwerer zugänglich für ein allgemeines Publikum, erweitern aber die Ausdrucksmöglichkeiten.
Ein interessanter Trend ist die slam poetry zu Weihnachten. Junge Dichter performen Weihnachtsgedichte auf Bühnen, nicht in Familienkreisen. Diese Gedichte sind für den mündlichen Vortrag konzipiert, nutzen Rhythmus und Wortspiel, sind oft humorvoll oder kritisch. Sie erreichen ein Publikum, das klassische Lyrik vielleicht als verstaubt ablehnen würde.
Werden diese modernen Gedichte Klassiker werden? Schwer zu sagen. Kanonbildung braucht Zeit. Vielleicht wird in fünfzig Jahren ein heute geschriebenes Weihnachtsgedicht so selbstverständlich rezitiert wie heute Storm oder Rilke. Oder vielleicht bleibt der Kanon statisch, und moderne Weihnachtslyrik bleibt ein Nischenphänomen. Was sicher ist: Das Bedürfnis, Weihnachten poetisch zu fassen, existiert weiterhin, und solange dieses Bedürfnis besteht, wird Weihnachtslyrik geschrieben werden.